Donnerstag, 21. September 2017

Farbensammeln


Nein, kein Gedicht heute. Die Herbstgedichte kommen mir gerade alle  so melancholisch, dramatisch, gereift oder erntelastig daher.

Ich lade stattdessen lieber pralle Frühherbstfarben hier ab, die ich in den letzten beiden Tagen vom Morgen bis zum Abend sammelte.

Habt Ihr schon geschaut?
In den Gärten tummeln sich die letzten Spätsommerblumen und recken sich den rarer werdenden Sonnenstrahlen entgegen, während die Herbstblumen nochmal Buntes ins Spiel bringen, ehe sie von sich verfärbenden Laub verdrängt werden.





Seit Astrid Eugen Roths Spätsommergedicht anführte, kann ich in Herbstzeitlosen nur noch stumme, nackte Tänzerinnen sehen. (Was hast Du mir da angetan... *grins*)




Im Sonnenblumenfeld hat der Sturm gewütet. Seitdem rette ich verwachsene, niedergedrückte, sehr kleine Sonnenblümchen und überlasse die großen den anderen, die das letzte Sonnenblumenfeld zum Selberpflücken nutzen.





So viel Zartes und Feines ist am Waldrand und im Waldesinneren  noch zu finden. Wer mag da nicht an feengleiche Wesen denken?




Manch Blumenrabatte kann es noch problemlos mit der prallen Herbstdämmerung am See aufnehmen.




verlinkt bei Lottas Sammlung "Herbstliche Blumen" (Bunt ist die Welt)
und Ghislanas Naturdonnerstag

Dienstag, 19. September 2017

Sophie Divry: "Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" {Bücherwelt}

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, Euch jeden Monat mindestens eine Bücher-Neuerscheinung vorzustellen. Im September sind es nun zwei neue Bücher, die darum gerungen haben, welches meine Lieblingsneuerscheinung sein würde. Dieser Roman aus Frankreich hat das Ziel knapp verfehlt, obwohl er mit viel Witz und sprachlicher Kreativität daherkommt.  




Das Cover von Sophie Divrys Roman fiel mir gleich ins Auge - knallroter Umschlag und ausgestanzte Hörner mit Durchblick auf den schwarzen Bucheinband. So setzte  das Buch gleich forsch den Fuß in die Tür, denn der Titel "Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" allein hätte mich nicht neugierig gemacht.

"Jede einzelne Biographie lässt sich gliedern wie ein Geschichtsbuch, inklusive Eiszeiten und Revolutionen." (Sophie Divry)

Der Roman findet seinen Handlungsort in Frankreich, genauer in Lyon. Das ist nicht unwichtig, denn die aktuelle gesellschaftspolitische Situation spielt eine Rolle.
"Heldin" (als solche wird sie ganz im klassischen Stil bezeichnet) der Geschichte ist Sophie, zwar reich an (Aus-)bildung, aber ansonsten arm an finanziellen Mitteln und ohne Job. Ihre Stelle als Journalistin hatte sie verloren, die Arbeiten als freie Mitarbeiterin gingen aus. Nun ist sie auf Sozialhilfe angewiesen. Doch während die Stromrechnung pünktlich eintrifft, bleibt plötzlich die staatliche Grundsicherung aus, die Bürokratie hat mal wieder zugeschlagen, es fehlt irgendeine schriftliche Bestätigung.

Sophie hat mit sechs Brüdern eine idyllische Kindheit verbracht. Ihren Brüdern ist es gelungen, sich "eine Existenz aufzubauen": Karriere, Haus, Kinder, soziales Netz, Wohlstand.   Sophie traut sich beim Familienfest nicht, sie in ihre eigene, missliche Situation einzuweihen.
Das gute, reichhaltige Essen am Familientisch verträgt sie gar nicht mehr, mittlerweile ist der Hunger in ihre kleine Behausung eingezogen.



"Wie langsam die Zeit vergeht, wenn man kein Geld hat."

Es sind diese Momente, in denen sich  Sophie nach Geschmack auf der Zunge sehnt, die letzten Euros sorgfältig für Basisnahrungsmittel verplant, Kleidungsstücke aus einer Mülltonne zieht, die einem beim Lesen beklommen schlucken lassen. Die Zahl der sozialen Kontakte ist zusammengeschrumpft, Sophie rutscht allmählich in die Isolation. Wer ihr bleibt, ist der Leidensgenosse Hector und imaginär Lorchus, ihr persönlicher Dämon, der sie in Versuchung führen möchte.

Trotzdem ist der Roman kein depressives Trauerspiel, denn Sophie lässt sich denn doch nicht entmutigen, stürzt sich tapfer in die neue (aber leider wieder frustrierende und ernüchternde) Tätigkeit als Hilfskraft in der Gastronomie und schreibt einen Roman. Genau! Den Roman, den wir gerade besprechen.

"Meine Erschöpfung zeigte mir, dass mein Körper sich wieder in das tätige Leben eingegliedert hatte, die einzige anerkannte Form von Leben, und die, die am schwersten zugänglich ist."

Die Form des Romans ist modern, mutig, experimentell, heiter. Hier sprüht die Autorin vor Einfällen, lässt viel Humor und Witz walten. Was auffällt, ist eine große sprachliche Kreativität, Lust auf Wortneuschöpfungen, Einfließen literarischer Texte und Bezüge wie z.B. Barockdichtung, Filmelemente, Internetchats und konkreter Lyrik.
Sogar eine der Romanfiguren, ihr bester Freund Hector, beginnt sich zu verselbstständigen und versucht Typographie und Handlungsablauf "seiner" Sequenzen zu bestimmen.

Den Roman  aus dem Französischen zu übersetzen war aufgrund seiner Vielzahl an Sprachspielereien und literarischen Bezüge, wie auch durch die Gebundenheit an das Sozialsystem Frankreichs gewiss kein Kinderspiel.
In Frankreich herrscht eine weitaus höhere Arbeitslosigkeit als in Deutschland. Der ganze bürokratische Ablauf und die Behörden sind natürlich andere als hier (aber bestimmt mit ähnlichen Problemen...).
Dort wurde der Roman schon für mehrere Literaturpreise nominiert, den Prix Top Virilo hat er bereits erhalten.

Ich habe ihn mit großem Interesse und Spaß an Divrys Witz und Sprachideen gelesen, aber irgendwie fehlte etwas, dass der Funke ganz überspringt, dass ich mich ganz in die "Heldin" einfühlen konnte. Ob es daran liegt, dass Vieles einfach nicht ins Deutsche übersetzt und transferiert werden kann, oder mir persönlich die Bezüge zu Frankreich fehlen?
Ansonsten ein Roman, der mal kreative, moderne Wege geht, es mit einem schwierigen Thema aufzunehmen.

Danke an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar.

Sophie Divry: Als der Teufel aus dem Badezimmer kam. (Originaltitel: Quand le diable sortit de la salle de bain)
Ullstein, Erscheinungstermin 22. September 2017

Montag, 18. September 2017

Zehn Fakten über den Schulanfang und mich

Astrids  aktuelle Linkparty auf ihrem Blog Le monde de kitchi hat diesen Monat das Thema "Schulanfang", ein feiner Anlass, mal in Erinnerungen zu kramen.

1 Da fange ich gleich mal mit einem Geständnis an: ich kann mich überhaupt nicht an meine Einschulung erinnern. In meiner Erinnerung ist nur ein großer Hund hängen geblieben, der mir damals freilaufend auf dem Weg zur Schule begegnet ist. Natürlich fand ich den Hund grandios, worüber alles andere offensichtlich nur noch nebensächlich blieb (dass mein Berufswunsch Tierärztin war, wisst Ihr ja schon lange...).  

2 Meinen Lederranzen, ein Geschenk meiner Patentante, habe ich noch vor Augen. Im Ranzen befand sich auch eine kleine Tafel, Schwämmchen und ein Griffel. Lesen haben wir gleich mit der Ganzheitsmethode gelernt. Mein Bruder, der wenige Jahre später eingeschult wurde, lernte wieder nach einer vollkommen anderen Methode lesen - eine Herausforderung für die Eltern.

3 Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich gut Namen oder Gesichter einprägen kann, aber wie meine Erstklasslehrerin und meine erste Sitznachbarin  hießen und aussahen, weiß ich heute noch. Vor den ersten Unterrichtsstunden im Turnen graute mir, da musste man sich doch umkleiden. Ein Problem, weil ich noch keine Schleifen binden konnte. Mein Vater erfand daraufhin eine Spezialschleifenbindemethode für mich, eine andere habe ich nie gelernt. (Mittlerweile hat sie den jahrzehntelangen Praxistest überstanden und könnte vielleicht beim Patentamt angemeldet werden, hm.)

4 Meine beiden ersten Schuljahre waren Kurzschuljahre und dauerten nur vom April bis November 1966 und  Dezember bis Juli 1967. Kurz war auch mein Schulweg, den wir immer als Kindergruppe zusammen laufen konnten, ohne eine größere Straße überqueren zu müssen.

5 In der eh schon so kurzen zweiten Klasse fehlte ich gleich 43 Tage, weil ich am Herzen operiert wurde. Eine Zeit im Krankenhaus, an die ich mich noch recht genau erinnere, während die Grundschulzeit eher einem verblassten Foto gleicht. Das Versäumte scheine ich wohl recht gut aufgeholt zu haben, wenn ich mir so meine Zeugnisse anschaue. Bis auf die Handarbeit...

6 Am meisten gehasst habe ich die Handarbeitsstunden, was auch später im Mädchen-Gymnasium so blieb. Wenn die verzweifelten Handarbeitslehrerinnen von damals gewusst hätten, dass ich später Kinder und Enkel einkleiden oder Quilts nähen werde, hätten sie nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Dafür hatte unsere neu gebaute Schule aber ein kleines, feines Schwimmbecken, wo ich im vierten Schuljahr endlich das Schwimmen lernte.

7 Obwohl ich gerne Neues lernte und am Anfang jedes neuen Schuljahres begeistert die neuen Schulbücher aufschlug, hat mich die Unterrichtsrealität immer sehr enttäuscht. Ich bin wirklich nicht gern zur Schule gegangen. Nachdem ich mein Abi in der Hand hatte, schwor ich mir, dieses Schulgebäude nie wieder  im Leben zu betreten, was ich bis heute auch nicht getan habe.

8 Natürlich habe ich zur Einschulung eine Schultüte bekommen, ein Foto im Album meiner Eltern beweist es. Die Schultüten unserer  Töchter haben wir selber gebastelt und mit kleinen, oft selbstgemachten Geschenken gefüllt. Ich sehe gerade - die Mädels trugen zur Einschulung Kleider, die ich selber genäht habe.

9 Meine älteste Tochter wurde in die neue kleine Schule eingeschult, die wir mit anderen Eltern und Lehrern gegründet hatten.

10 Die beiden jüngeren Töchter haben am ersten Schultag einen Schweizer Fellranzen bekommen. "Schulthek" heißt er übrigens dort.


Danke Astrid, für diese kleine Zeitreise!

Samstag, 16. September 2017

Poesie {samstagsplausch}

"What can be explained is not poetry."

(Was erklärt werden kann, ist keine Poesie.)

William Butler Yeats


GETROTZT: den Wetterunbilden. Kühl ist es geworden, nass und leider sehr windig. Letzteres vertrage ich in dem Ausmaß gerade nicht wirklich. Der See hat dabei ein bisschen Meer gespielt.

GEKAUFT: einen Herbstpullover. Endlich darf man sich wieder einmummeln.


GELAUFEN: abends Richtung Abendrot. Morgenrot ist mir noch zu früh.

GEDACHT: mit Blick nach oben: jetzt sollte ich aber umkehren! Vom Hügel aus kann man gut sehen, wie sich die Regenwand heranschiebt.


GELESEN: Elena Lappin: In welcher Sprache träume ich? Die Geschichte meiner Familie.
Wirklich gut!

GESEHEN: Schafe, Galloway-Rinder und Pferde auf den Weiden.


GEFRAGT: wie wenig Kühe hier bei uns auf den Weiden stehen. Wenn man nur über die Grenze zur Schweiz fährt, bietet sich gleich ein anderes Bild.

GELACHT: Gar nicht so einfach, wenn sich ein Pferd mal hinter dem Ohr kratzen möchte


GENÄHT: aus  alten Jeans zwei pfiffige Kindertobehosen, upcycling...

GESTAUNT: über den herrlichen Sonnendruck, den mir Eva geschickt hat. Nochmals danke!!!

GESCHNITTEN: mit dem Schnitzmesser in den Finger. Ich schaffe es auch, mir mit der superscharfen Stoffschere in den Finger zu schneiden. (Messer, Gabel, Schere, Licht.... )


GEMOCHT: die Farben des Herbstes. Sie kommen bei Sonnenschein doch am besten zur Geltung. (Das Fallobst wurde vom Lockenhund dann aber als nicht so lecker empfunden. Mäkelguste...)

GESCHAFFT: endlich einen Friseurtermin zu machen.


GEBRUMMT: hat es bei den Bienenstöcken, wo der Imker zu Gange war. Ich hätte gern ein bisschen zugeschaut, aber das ist mir mit dem Hund zu heikel. Der schnappt nach Insekten...

GESUCHT: nach der Erinnerung an meine Einschulung, um an Astrids Linkparty teilzunehmen. Aber in jenen Jahren war anderes wichtiger, so scheint es. Ich werde mich mal ans Schreiben begeben.

GEWUNDERT: Habt Ihr auch schon Eure/n Doppelgänger/in im Museum gefunden?


GESTARTET: die Eye-Poetry # 09 mit einem Lieblingsgedicht von W.B. Yeats. Macht Ihr mit?

GEBASTELT: an meinem Beitrag zur Eye-Poetry # 08 (die noch bis zum 14.10. läuft, also hier kann man sofort spontan noch einsteigen). Der braucht etwas Vorlauf, ihr werdet dann sehen warum...


GEFREUT: darüber, dass in unserem Garten noch einiges los ist. Der Chili legt an Farbe zu und meine Rose schenkt mir noch eine Blüte.

GEFUNDEN: diesen schönen Spruch: Leave room in your garden for the fairies to dance...
Das Plätzchen zum Tanzen sollten die Elfen bei uns problemlos in der Gartenwildnis finden.

GECLICKT. Meine Favoritin für America's got Talent dieses Jahr: die gehörlose Sängerin Mandy Harvey


Am Wochenende werde ich mich intensiv in mein Eye-Poetry Werk stürzen (möglichst ohne weitere Verletzungen), ein bisschen nähen und noch einmal unseren Bekannten zu Besuch empfangen, bevor er wieder nach Vermont fliegt.
So und jetzt darf mir meine Namensvetterin Andrea in der Samstagsplauschrunde einen schönen warmen Kakao reichen. Der Herbst hat doch seine wunderschönen und leckeren Seiten, oder?

Euch allen ein herbstlich buntes Wochenende!